Armutskonferenz setzt Impulse

4. Oktober 2010


Armutskonferenz setzt Impulse

Am 2.10.2010 hatten rund 65 Fachleute und Engagierte auf der Armutskonferenz in Spandau nach Handlungsmöglichkeiten gesucht, um auf die zunehmende Armut in der Stadt zu reagieren. Sie waren der Einladung der Evangelischen Kirche Spandau und des Diakonischen Werkes ins Mehrgenerationenhaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde Spandau gefolgt.

Zum Abschluss waren sich die Teilnehmer einig: Die Impulse aus den Vorträgen und Arbeitsgruppen müssen in die Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen hineingetragen und in konkrete Handlungen umgesetzt werden.

In seinem Grundsatzreferat verdeutlichte Prof. Dr. Hans Martin Gutmann (Universität Hamburg) den biblischen Gerechtigkeitsbegriff, der von der Gemeinschaftstreue Gottes ausgeht und sich grundlegend von der bürgerlich-kapitalistischen Spaltung zwischen Arm und Reich unterscheidet. Aus dieser Sicht, so legte Prof. Gutmann dar, sei die jüngste Hartz IV Gesetzgebung ein offenkundiger Skandal. Die Zahlungen für kleine Mengen Alkohol und Nikotin zu streichen, sei ein Rückfall in die Verknüpfung von „Armenfürsorge und moralischen Rigorismus“ des 19. Jahrhunderts und eine Entmündigung. Professor Gutmann wies auf die Stärke der Kirche hin, die durch ihre Ortsgemeinden in die Lebenswelten der Menschen hinein vernetzt ist. Er appellierte, den Armen Teilhabemöglichkeiten zu bieten, ihre Stärken zu stützen und zu achten und sie nicht zu Objekten zu machen.

In Streiflichtern wurden verschiedene neue Modelle gemeindlich-kirchlicher Arbeit vorgestellt, so das Volx-Mobil aus Schwerin. Es entwickelt jeweils ein Jahr lang in einer kleinen Stadt mit Kooperationspartner vor Ort konkrete Projekte der Kinder- und Jugendarbeit.

Die Vesperkirche in der Leonhardts-Kirche in Stuttgart öffnet in den sieben kältesten Wochen des Jahres ihre Türen nicht nur um Obdachlose und arme Menschen mit Essen und medizinischer Hilfe zu versorgen, sondern auch um den Menschen Heimat, Erholung, Wohlergehen angedeihen zu lassen. Ein Angebot das täglich 800 Bedürftige erreicht und sich allein auf Spenden und ehrenamtliche Arbeit stützt. Beide Modelle arbeiten menschen- und ressourcenorientiert und zeigen Verwirklichungsmöglichkeiten „erfüllten Lebens“ nach biblischer Vorstellung auf.

Die an der Armutskonferenz in Spandau Beteiligten haben sich zur Weiterarbeit verabredet und sind zuversichtlich, dank der zugesagten Unterstützung durch die Direktorin des Diakonischen Werkes Susanne Kahl-Passoth, konkrete Projekte entwickeln zu können.

4. Oktober 2010